Zu mir

Wie der Titel meine Seite bereits verrät, ist mein Name Andreas Ferkau. Ich bin Jahrgang 1982 und wurde in Magdeburg geboren.

Ich habe, seit dem Jahr 2000, bei der Landeshauptstadt Magdeburg, meinen Dienst verrichtet. Seit Mai 2023 bin ich nunmehr hauptamtlicher Dozent am SIKOSA e.V in Magdeburg.

Ich habe eine Weiterbildung zum Verwaltungsfachwirt am SIKOSA e.V. erfolgreich absolviert.

Nebenberuflich habe ich mich im Rahmen eines Fernstudiums an der Fernuniversität in Hagen zum Bachelor of Arts weitergebildet.

Ich interessiere mich hauptsächliche für die Bereiche Geschichte, Politik, Computer(-spiele) und bastele auch gerne am PC herum.

Literarisch interessiert mich zusätzlich Fantasy und Science-Fiction, und, wie sollte es anders sein, wenn man am Schrein der Wissenschaft betet, bin ich ein Trekkie.

Ich bin seit einigen Jahren nebenberuflich beim KBW in Berlin und an diverse anderen Institutionen, als Dozent, tätig.


In beiden Fällen liegt der Schwerpunkt meiner Tätigkeit im Bereich des Verwaltungsrechtes, insbesondere im Bereich der Gefahrenabwehr, des Gewerberechtes und der Schwarzarbeitsbekämpfung.

Für Rückfragen stehe ich immer gern zur Verfügung.

Gruß

Andreas Ferkau

Hinweis:

Eine Übersicht zu meinen Seminaren finden Sie hier oder auf den Webseiten: SIKOSA und KBW.

The reluctant Admiral – Hiroyuki Agawa

Ich habe das Buch in seiner englischen Übersetzung gelesen. Es ist derzeit, soweit mir ersichtlich, nur antiquarisch zu erwerben.

Es verfügt über 392 Seiten reinen Text. Es ist keine klassische Biografie, sondern verbindet, wie in Japan üblich, eine historische Betrachtung mit der Person.

Das Leben von Yamamoto kommt dabei aber nicht zu kurz. Seine Biografie wird ausdrücklich geschildert, aber immer in den Kontext des Zweiten Weltkriegs und dessen Vorgeschichte gesetzt, insbesondere auch in die Verhandlungen zum Dreimächtepakt und zu seiner Rolle beim Flottenabkommen in den 1930er Jahren.

Die Biografie ist aber keine Überhöhung der Person des Admirals, da auch seine Fehler, wie etwa der Hang zum Glücksspiel, zu Frauen und zum Essen, nicht ausgespart werden. Facetten, die eher weniger bekannt sind, etwa seine Reisen durch die USA und Großbritannien und seine Beteiligung an diplomatischen Verhandlungen, werden ausführlich geschildert, ohne dabei unnötige Längen aufzuweisen.

Seine Opposition zum Dreimächtepakt und seine Warnungen vor dem Krieg gegen die USA und Großbritannien sind weniger bekannt als seine Planung für den Angriff auf Pearl Harbor. Auch seine Faszination für Flugzeuge und Flugzeugträger als die neue Waffe auf dem Meer, die die Schlachtschiffe ablösen, ist weit weniger bekannt.

Das Buch versteht es dabei, die historischen Ereignisse mit dem Leben des Admirals zu verbinden. Es ist ein gut geschriebenes Werk, auch wenn man als Europäer die etwas andere Narration eines Japaners bemerkt, die, zumindest für mich, sehr angenehm ist.

Die persönlichen Interessen des Admirals, etwa an Gedichten, seine Lebensweise an Bord der Schiffe der Marine und seine Vorgeschichte vor dem Zweiten Weltkrieg, runden die Schilderung sehr gut ab. Auch wenn seine Jugend und seine Schulzeit etwas kurz kommen, dürfte die Mehrheit der Leser ohnehin an seiner Zeit im Zweiten Weltkrieg interessiert sein.

Sein Tod und seine Bestattung bilden auch das Ende des Buches. Insgesamt ein lohnendes Werk für historisch Interessierte.

Fire and Blood von George R.R. Martin

Das 706 Seiten umfassende Werk (in englischer Sprache) beschreibt, eher im Stil eines Geschichtsbuches, die Zeit der Herrschaft der Targaryiens in Westeros bis zur Zeit von Aegon III.

Wie gewohnt wird die Geschichte engmaschig und sehr immersiv erzählt. Die Charaktere machen einen plastischen Eindruck, wie auch die Geschichtsschilderung einen plastischen und nachvollziehbaren Eindruck hinterlässt.

Das Buch ist Vorlage zur beliebten Vorläuferserie von A Game of Thrones und bietet vertiefte Einblicke in die Geschichte der Serie. Naturgemäß gibt es Abweichungen von der Serie, was aber das alte Klischee bedient, dass die Bücher besser sind als die Verfilmungen, in der Form, dass sie mehr ins Detail gehen und natürlich auch Dinge beschreiben, die in der Regel nicht verfilmt werden (können).

Fans von The Song of Fire an Ice kommen hier auf ihre Kosten, zumal hier, anders als in The Game of Thrones, die Tagaryens noch herrschen und somit die Darstellung der Drachen einen breiteren Raum einnimmt.

Was die Fans ansprechen wird, dass Politik, Intrigen und auch Hunger und sexuelle Eskapaden wiederum den gewohnten breiten Raum einnehmen, sodass es sich eher um Dark Phantasy handelt.

Gerade die Zeit von Aegon dem Eroberer und des alten Königs wurde bis dato nicht filmisch adaptiert, wird hier aber ausführlich beschrieben und ist damit für viele Fans ein Muss, die auch in die Vorgeschichte eintauchen wollen.

Im Buch sind auch einige, wenn auch leider wenige, sehr gute Bebilderungen enthalten, die dem Buch seine tiefe Atmosphäre verleihen bzw. diese noch verstärken.

Die Darstellung der Familienbäume der Adelshäuser, wie auch die detaillierte Beschreibung der Kämpfe in Westeros lassen einen erneut sehr tief in die Welt eintauchen.

Für alle, die sich auch für reale politische und historische Ereignisse interessieren, dürfte dieses Buch ein Abendfüller sein.

Der Atlas des Universums von Roger D. Launius

Als jemand, der sich gerne mit Astronomie beschäftigt, ist ein solches Werk natürlich eine besondere Perle der Freude.

Das Buch ist mehr ein Bildband, als dass es wirklich aus großen Texten besteht. Die vorhanden Beschreibungen sind aber sehr informativ und sind eher darauf ausgelegt, die Lust auf ein Mehr zu wecken.

Die einzelnen Planeten werden beschrieben, wie auch die Geschichte der Raumfahrt und einzelne Missionen. Die Informationen sind eher ein Überblick und gehe nicht sehr stark in die Tiefe, was aber auch hier nicht zu erwarten war.

Das Buch beeindruckt mit zahlreichen Grafiken und Photos, die die Lust auf mehr steigern, bzw. den Blick durch ein Teleskop anregen (sollen).

Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Werk, wenn man sein Wissen für das Planetensystem erneuern möchte, sowie über den derzeitigen Stand der Raumfahrt.

Das Buch ist jedem zu empfehlen, der vor allem Anregungen auf ein Mehr sucht und gute Darstellungen unseres Planetensystems genießen möchte.

The Rise of the Dragon von George R.R. Martin

Wie bereits beim Buch: The World of Fire and Ice handelt es sich nicht um einen Roman im klassischen Sinne, sondern um eine fiktionale Geschichtsschreibung aus der Welt von George R.R. Martin.

Das Buch ist in englischer Sprache gehalten und reich mit zahlreichen Bildern ausgestattet. Es kommt in einem festen Einband daher und 345 Seiten. Es macht dabei einen sehr wertigen Eindruck.

Inhaltlich erzählt es die Geschichte von der Eroberung der Sieben Königslande, über den Tanz der Drachen, bis zur Krönung von Aegon III. In der Form eines Geschichtsbuches gehalten, werden die Ereignisse dennoch spannend geschildert und Fans der Bücher und Serien kommen auf ihre Kosten.

Gerade die Bilder, Zeichnungen und Landkarten ziehen einen sehr tief in die Geschichte hinein.

Verwirrend wie immer sind teils die Namen der Häuser und die Verwandtschaftsbeziehungen, was aber gerade auch den Reiz des Buches ausmacht, dies entsprechend mit in die Erzählung einzubinden.

Insgesamt ein sehr gelungenes Buch, wenn man ohnehin ein Fan der Phantasywelt ist.

Einfach Literatur von Klaus Willbrand

Klaus Willbrand war selbst ein Phänomen, indem er, als Antiquar im hohen Alter in den sozialen Medien aktiv wurde, um das Lesen und die Literatur erneut in den Focus der Betrachtung zu rücken. Dies zeigt sich auch daran, dass er einen eigenen Artikel bei Wikipedia erhalten hat. Welcher Antiquar kann dies schon von sich behaupten?

Das Buch selbst enthält weite biographische Züge des Autors und seiner Coautorin, die seinen Werdegang im Leben, privat und beruflich, mit und um das Lesen und die Literatur beschreiben.

Im Werk selbst werden Autoren kurz angesprochen und die Werke, die der Autor für wichtig erachtet. Es folgt eine kurze Inhaltsangabe der Werke und meist auch eine Einordnung des Autors in seine Zeit und die Politik. Teilweise wird dann auch ein Bezug zu Klaus Willbrand hergestellt, in welcher Phase seines Lebens er mit dem Werk in Berührung kam.

Das Buch selbst umfasst 219 Seiten an Text, wobei die einzelnen Kapitel einfach zu lesen sind. Sie sind in kurzer und prägnanter Weise verfasst und lassen keine langen Stellen aufkommen.

Geschrieben ist das Werk eher in der Form eines imaginären Gespräches mit dem Verfasser, in dem er seinen Lebensweg und seine Erfahrung mit der Literatur und den Büchern teilt.

Interessant sind dabei auch die Beschreibung seines eigenen Werdeganges und seine politische Selbsteinordnung. Er beschreibt dabei auch seine Entwicklung in politischen Ansichten und gescheiterte Projekte, die ihn sehr menschlich und nahbar erscheinen lassen.

Insgesamt ist das Buch zu empfehlen, wenn man eine kurze Übersicht über wichtige Autoren und eine kurze Einordnung deren Werke sucht. Sehr zu empfehlen ist es, wenn man Anregungen sucht, welche Werke man lesen könnte und ob diese den eigenen Vorstellungen und vor allem dem eigenen Geschmack entsprechen könnten.

Das Buch ist für ca. 22,00 Euro im Handel erhältlich.

Pope Joan von Donna Woolfolk Cross

Bei dem Buch handelt es sich um die Vorlage für den Film Die Päpstin.

Das Buch beschreibt sehr eindrücklich (hier im englischen Original) die Geschichte einer jungen Frau, die sich mehr für das Lernen und das Lesen interessiert, als für die im 9. Jahrhundert typischen Pflichten des Kinderempfangens und der Hausarbeit.

Ob es eine Päpstin Johannes gegeben hat, ist eine Spekulation und kann heute nicht bewiesen werden. Die Spekulationen darüber halten aber an und werden in diesem Buch sehr ansprechend verarbeitet.

Das Buch geht dabei sehr detailliert auf die Lebenswirklichkeit der normalen Bevölkerung, das Leben im Kloster und die Lebensumstände des Adels und der Kirche ein. Die Beschreibungen sind dabei sehr immersiv und ziehen den Leser in die Zeit hinein. Dass hier eine Frau die Hauptfigur ist, fällt beim Lesen oft gar nicht auf, da eher die Beschreibung der Umgebung und der politischen Verhältnisse im Vordergrund steht und die Hauptfigur sich darin sehr gut einfügt.

Die Geschichte setzt dabei mit der Kindheit der Protagonistin ein und beschreibt ihr Leben in einem einfachen Dorf auf dem Land in Deutschland. Die Gewalt in der Ehe und die unterschiedliche Behandlung von Kinder, gerade zwischen Männern und Frauen, werden hier thematisiert, wie auch die Ablehnung von fremden Personen und nicht christlichen Wissens in der Zeit.

Die Beschreibung des Lebens im Kloster, der Bezug auf den germanischen, heidnischen Glauben und den moralischen Verfall der kirchlichen Elite sind im Buch wahrnehmbar und dienen als Kontrast zur vermeintlichen Überlegenheit der kirchlichen Moral den Frauen gegenüber.

Johanna ist dabei keine Heldin, sondern die Beschreibung dient dazu, den Weg einer Person zu beschreiben, die sich gegen Vorurteile und gesellschaftliche Konventionen stellt, nicht, um andere zu überzeugen, sondern das selbst gewählte Leben leben zu können.

Der Hauptteil des Buches verfügt über 408 Seite, nebst einem Anhang der Autorin mit Erläuterungen zum Werk.

Damir-Geilsdorf, Sabine, Islamismus, Bonn, BPB, 2024

Das Werk behandelt in systematischer Weise den Begriff und die Entwicklung des Islamismus sowie dessen Erscheinungsformen in Deutschland und weltweit. Ausgangspunkt ist die begriffliche Abgrenzung zwischen Islam als Religion und Islamismus als politischer Ideologie. Islamistische Bewegungen wollen Gesellschaft und Politik nach islamischen Vorstellungen umgestalten, unterscheiden sich jedoch stark in Methoden und Reichweite. Während legalistische Gruppen legale Mittel nutzen, propagieren dschihadistische Strömungen Gewalt und inszenieren sich als Kämpfer Gottes. Dabei wird der Koran selektiv interpretiert, etwa zur Rechtfertigung von Gewalt oder Sklaverei, obwohl er eigentlich Zwang im Glauben verbietet. Antisemitische Deutungen entwickelten sich vor allem im 20. Jahrhundert. Auch der Salafismus, verstanden als Rückkehr zu den „frommen Vorfahren“, stellt eine bedeutende Strömung dar, die sich unter anderem durch äußere Abgrenzung manifestiert.

Historisch wurzelt der Islamismus im späten 18. Jahrhundert als Reaktion auf Kolonialismus und Säkularisierung. Bedeutend waren der Wahhabismus und die enge Allianz mit dem saudischen Königshaus, später die Gründung der Muslimbruderschaft 1928. Mit Osama bin Laden und al-Qaida entstand Ende des 20. Jahrhunderts eine global agierende Terrorbewegung, die schließlich in den Islamischen Staat (IS) mündete, der heute insbesondere in Afrika aktiv ist.

In Deutschland reichen islamistische Strukturen bis in die 1950er Jahre zurück. Mit der Gründung islamischer Gemeinschaften und neuerdings der Deutschen Muslimischen Gemeinschaft (DMG) wurden institutionelle Strukturen geschaffen. Seit den 2000er Jahren spielen Internet und soziale Medien eine zentrale Rolle bei der Verbreitung extremistischer Ideologien. Zwischen 2011 und 2020 reisten über 1.000 Personen aus Deutschland nach Syrien zum IS. Die Behörden unterscheiden zwischen „Gefährdern“ und „relevanten Personen“. Islamistische Propaganda greift häufig einfache Gegensätze auf und richtet sich gegen Demokratie und Selbstbestimmung.

Im Verhältnis zu Demokratie zeigt sich eine gewisse Ambivalenz: Während die islamische Tradition mit der schura (Ratsversammlung) partizipative Elemente kennt, lehnen radikale Strömungen Demokratie als „göttliche Anmaßung“ ab. Dennoch ließen sich in Ägypten und Tunesien moderatere Entwicklungen islamistischer Parteien beobachten.

Der Radikalisierungsprozess wird meist durch persönliche Krisen, Ausgrenzungserfahrungen und ein starkes Schwarz-Weiß-Denken geprägt. Häufig sind die Betroffenen religiös wenig gebildet und konstruieren sich einen fragmentarischen Islam. Besonders anziehend wirkt auf junge Menschen die absolute Ausrichtung des Lebens an einer vermeintlich eindeutigen Wahrheit. Religiöse Gewalt erweist sich dabei als besonders brutal, da sie auf einen jenseitigen Richter bezogen ist.

Prävention erfordert die Vermeidung von Stigmatisierung sowie eine fundierte islamische Bildung, die Verzerrungen entgegenwirken kann. Schwierigkeiten bestehen in der fehlenden institutionellen Verankerung, da es keine „Amtskirche“ gibt und Angebote meist ehrenamtlich getragen werden.

Das Buch umfasst ca. 130 Seiten und kann der BPB bezogen werden.

Wedekind, Birgit, Das Widerspruchsverfahren in der Praxis, 3. Auflage, Buchloe, Richard Boorberg Verlag, 2020

Birgit Wedekind behandelt in ihrer praxisorientierten Darstellung die vielschichtige Struktur und rechtliche Einordnung des Widerspruchsverfahrens (WS-Verfahren) im deutschen Verwaltungsrecht. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass das Widerspruchsverfahren als vorgerichtliches Rechtsmittel eine zentrale Bedeutung für den effektiven Rechtsschutz gemäß Art. 19 Abs. 4 GG besitzt, in der Praxis jedoch zunehmend eingeschränkt wird – was rechtsstaatlich problematisch sei.

Grundlagen und Systematik

Das Widerspruchsverfahren ist in den §§ 68–73 VwGO geregelt, stellt jedoch kein Gerichts-, sondern ein Verwaltungsverfahren dar, das innerbehördlich zur Überprüfung von Verwaltungsakten dient. Es besitzt Suspensiv- und Devolutivwirkung (§§ 68, 80 VwGO), d.h., es hemmt die Vollziehbarkeit und verlagert die Entscheidung ggf. auf eine andere Behörde. Es dient sowohl der Selbstkontrolle der Verwaltung als auch der Entlastung der Verwaltungsgerichte.

Ablauf des Verfahrens

Das Verfahren beginnt mit dem Widerspruch, der schriftlich oder zur Niederschrift zu erheben ist (§ 70 VwGO). Die Ausgangsbehörde prüft zunächst die Zulässigkeit und Begründetheit; ist der Widerspruch begründet, erfolgt die Abhilfe. Wird nicht abgeholfen, ist die nächsthöhere Behörde zur Entscheidung verpflichtet, es sei denn, Ausgangs- und Widerspruchsbehörde sind identisch (§ 68 Abs. 1 VwGO, § 8a AGVwGO). Formale Anforderungen, insbesondere zur Bekanntgabe und Fristberechnung (§§ 41, 57 VwGO, § 222 ZPO), werden detailliert behandelt.

Rechtsschutzfunktion und Grenzen

Die Autorin betont die Bedeutung der materiellen und formellen Rechtmäßigkeit sowie der Ermessensausübung (§ 114 VwGO). Das Widerspruchsverfahren erlaubt eine umfassendere Prüfung als das gerichtliche Verfahren, da dort die Zweckmäßigkeit nicht mehr maßgeblich ist. Auch die sog. reformatio in peius (Verböserung) ist im Verwaltungsverfahren zulässig, bedarf aber einer Anhörung (§ 28 VwVfG).

Bescheid und Kosten

Der Widerspruchsbescheid muss gemäß § 73 VwGO eine Begründung und Kostenentscheidung enthalten. Die Zustellung erfolgt nach den Vorschriften des Verwaltungszustellungsgesetzes (VwZG). Auch eine Rücknahme des Widerspruchs ist möglich, hat aber Einfluss auf die Kostenlast. Besondere Aufmerksamkeit schenkt das Werk der Kostenerstattung durch die Behörde bei erfolgreichem Widerspruch und der Frage der Notwendigkeit anwaltlicher Vertretung (§ 80 VwVfG, BVerwG NJW 1978, 1988).

Sonderfragen und Ausblick

Im letzten Teil widmet sich das Buch speziellen Problemlagen, etwa der Zustellung im Ausland, der Vertretung juristischer Personen oder der Besonderheiten bei Ersatzvornahme und Vollstreckung. Der zunehmende Wegfall des Widerspruchsverfahrens in Spezialmaterien (z. B. Ausländerrecht, Prüfungsrecht) wird kritisch betrachtet und als Aushöhlung rechtsstaatlicher Grundsätze gewertet.

Das Buch umfasst 250 Seiten und ist für rund 30,00 Euro erhältlich.

Akdamämlich von Prof. Dr. Zümrüt Gülbay-Peischard

Die Autorin, selbst Professorin mit Migrationshintergrund, zeichnet ein kritisches und pointiertes Bild vom gegenwärtigen Zustand des deutschen Hochschulwesens und seiner Studierendenschaft. Das Buch ist eine Mischung aus persönlicher Erfahrung, pädagogischer Analyse und gesellschaftspolitischer Kritik.


1. Bildung als kostenloses, aber nicht wertgeschätztes Gut

Gülbay-Peischard beklagt, dass das kostenfreie Bildungssystem Deutschlands vielfach zu einer Konsumhaltung geführt habe. Studierende betrachteten Bildungsangebote oft nicht als Chance, sondern als Anspruch. Ein Leistungsbewusstsein sei kaum vorhanden, Lernen erfolge bulimieartig, kritisches Denken sei rar. Künstliche Intelligenz wie ChatGPT werde genutzt, aber nicht reflektiert. Studierende seien oft nicht in der Lage, selbst anspruchsvolle Texte zu verstehen oder Interesse für ihre Fächer zu entwickeln.


2. Persönliche Bildungsbiografie als Kontrastmodell

Als Kind türkischer Gastarbeiter, die selbst keine Schulbildung genossen, hebt die Autorin den Wert von Bildung als Aufstiegschance hervor. Sie stellt dem heutigen studentischen Anspruchsdenken ihre eigene Erfahrung gegenüber, in der Bildung als Privileg galt. Arbeit, so Gülbay-Peischard, werde heute von vielen als Zumutung empfunden, obwohl empirisch belegt sei, dass Arbeitszeiten von bis zu 50 Stunden pro Woche keine negativen Effekte haben müssten.


3. Oberflächlichkeit und fehlende Anstrengung im Studium

Studierende strebten oft nur nach dem „Schein“ und nicht nach Erkenntnis. Eigenverantwortung, regelmäßige Vorbereitung und Vertiefung des Stoffes würden gescheut. Dozenten mit hohem Anspruch würden gemieden, während andere ihre Anforderungen senkten, um gute Evaluationen zu erhalten. Prüfungsleistungen würden häufig durch minimalen Aufwand vorbereitet, Betrugsversuche nähmen zu, und Mitarbeit werde als Zumutung verstanden.


4. Sprachliche und kognitive Defizite

Die Autorin sieht grundlegende Schwächen in Ausdrucksfähigkeit, Lesekompetenz und Textverständnis. Juristische Klausuren würden zu oft durch das bloße Abschreiben von Gesetzestexten bestritten, weil das Verstehen und Anwenden schwerfiele. Die Nutzung von Smartphones, Autokorrektur und fehlende Übung im Schreiben führten zu einem eingeschränkten aktiven Wortschatz und zu Denk- und Strukturarmut.


5. Mangelnde Umgangsformen und Empathie

Auch das soziale Verhalten vieler Studierender sei problematisch. Es fehle an Höflichkeit, Aufmerksamkeit im Unterricht, und grundlegenden Kommunikationsfähigkeiten. Smartphones störten den Ablauf, es würden unaufgefordert Sprachnachrichten verschickt, und die Fähigkeit zu direkten Gesprächen nehme ab. Empathie, etwa das Türöffnen für andere, sei vielfach nicht mehr selbstverständlich.


6. Weltfremde Wahrnehmung und ideologische Scheuklappen

Allgemeinbildung sei ebenso wie politisches Verständnis unterentwickelt. Gesellschaftliche Debatten würden oft mit ideologischer Voreingenommenheit geführt, Verantwortung aber stets bei anderen gesucht – insbesondere beim Staat. Kritische Rückmeldungen würden schnell mit Diskriminierungsvorwürfen gekontert und eine sachliche Auseinandersetzung erschwert.


7. Eltern als Teil des Problems

Die Autorin kritisiert Curling-Eltern, die ihre Kinder vor allen Widrigkeiten schützen und ihnen keinen Raum für Selbstständigkeit lassen. Viele Studierende seien dadurch nicht konfliktfähig, nicht kritikbereit und nicht in der Lage, mit den Realitäten des Lebens umzugehen. Auch die emotionale und finanzielle Abhängigkeit von den Eltern bleibe oft bis ins Erwachsenenalter bestehen.


8. Versagen von Schule und Gesellschaft

Schon im Schulsystem werde nicht gelernt, wie man lernt, sondern nur auswendig. Die Zahl der funktionalen Analphabeten mit Abitur sei alarmierend. Eltern beeinflussten die Leistungsbewertung massiv und drängten ihre Kinder zur Hochschule, unabhängig von deren Fähigkeiten. Die duale Ausbildung sei gesellschaftlich abgewertet, obwohl sie oft passender wäre.


9. Lösungsansätze

Gülbay-Peischard fordert verpflichtende Praxisjahre, klare Leistungsrückmeldungen, eine stärkere Betonung von Fleiß und Durchhaltevermögen sowie mehr Ehrlichkeit im Umgang mit eigenen Schwächen. Auch die Hochschulen müssten sich stärker auf ihre Bildungs- und Erziehungsfunktion besinnen und dürften sich nicht auf die Rolle der Dienstleister reduzieren lassen.


Fazit

„Akadämlich“ ist ein streitbares, aber differenziert argumentiertes Plädoyer für ein Umdenken in der Hochschulbildung. Es ruft zur Rückkehr zu Leistungsorientierung, Eigenverantwortung und Bildung als ernstzunehmender gesellschaftlicher Aufgabe auf. Gülbay-Peischard bringt darin nicht nur systematische Kritik, sondern auch persönliche Erfahrung und klare Forderungen zusammen – ein Denkanstoß für Bildungspolitik, Eltern, Lehrende und Studierende gleichermaßen.

Das Buch hat 237 Seiten und ist für ca. 20 Euro erhältlich.

Herder, Manuel, Der Papst der Bücher

Manuel Herders Werk porträtiert Joseph Ratzinger nicht nur als Theologen, sondern als „Papst der Bücher“, dessen intellektuelles Vermächtnis besonders in seinen Schriften sichtbar wird. Früh mit dem Herder-Verlag verbunden, trat Ratzinger nicht als klerikaler Machtmensch auf, sondern als feinsinniger Gelehrter mit innerer Milde und tiefer Spiritualität. Seine Werke kreisen um zentrale Themen des Glaubens: Glaube, Hoffnung und Liebe, wobei er stets den Dialog mit Nichtgläubigen suchte und den Glauben als personale Beziehung zu Gott verstand – nicht als abstraktes Dogma.

In den Jesusbüchern, die bereits vor seinem Pontifikat entstanden, interpretiert er die Rolle Jesu neu: als Prophet und Sohn Gottes, der die Verbindung zu Gott neu definiert. Ratzinger betont die innere Autorität Jesu, die sich nicht aus der Institution, sondern aus göttlicher Nähe speist. Er hinterfragt rituelle Fixierungen und verlagert den religiösen Fokus auf die Gemeinschaft der Gläubigen. Seine theologische Tiefe spiegelt sich besonders in der Darstellung von Eucharistie und Opfer wider: Christus wird als letztes Opfer verstanden, das die sakramentale Gemeinschaft stiftet.

Seine großen Reden während des Pontifikats zeugen vom Spannungsfeld zwischen Glaube und Vernunft. Er bekennt sich zur Wissenschaft, fordert jedoch ihre ethische Rahmung. Politik soll dem Recht dienen, nicht der Macht. Besonders markant ist seine Absage an die gewaltsame Missionierung – Glaube kann nur durch Überzeugung wachsen.

Zur Kirche äußert er sich als Verteidiger des Konzils von Vatikan II, das er als Vertiefung, nicht als Bruch mit der Tradition begreift. Seine ökumenischen Impulse zeigen sich in der Anerkennung anderer christlicher Kirchen und dem interreligiösen Dialog. Ratzinger sieht in der Kirche Zuflucht und Orientierung, jedoch auch den Anspruch, sich von weltlichen Zwängen zu entflechten.

Im Kapitel Barmherzigkeit und Rechtfertigung betont er Gottes liebende Zuwendung über die Gerechtigkeit. In der Liturgie erkennt er eine göttlich gestiftete Ordnung, die nicht beliebig verändert werden darf. Politisch sieht er in der Trennung von Kirche und Staat Chancen, verweist aber auch auf Gefahren einer rein säkularen Gesellschaft, insbesondere im Kontext von Sterbehilfe und Werteverlust.

Das Buch zeigt einen Papst, der mehr Denker als Regent war – einer, dessen bleibende Spuren in der Tiefe seiner Theologie und der geistigen Kraft seiner Texte liegen.

Das Buch umfasst insgesamt 328 Seiten Fließtext und ist für ca. 28,00 Euro erhältlich.